Archiv für Dezember 2006

Was Modefuzzis machen, wenn es keine Mode mehr gibt

Samstag, 23. Dezember 2006

Erfahre gestern, natürlich aus dem Fernsehen: Gaaaanz angesagt sind schmale Krawatten, das trägt man jetzt, du! Igittigitt, was sind breite Schlipse geschmacklos ? vaheeeerend!
Da isses ja sehr gut, daß ich die siebziger Jahre schon immer für eine einzige ästhetische Entgleisung gehalten und die schmalen Krawatten aufgehoben habe vom letzten Mal, als man sowas trug, tragen mußte, schwer im Trend.

Hirnsausen (aber rauchfrei!)

Samstag, 16. Dezember 2006

Nu isses auch vom Bundesrat beschlossen, das Reklameverbot für Tabak. “Ein wesentlicher Baustein hin zu einem besseren Nichtraucherschutz”, wird Minister Seehofer zitiert. Nun will ich mir natürlich keine Klage wegen Beleidigung oder Beschimpfung eines Verfassungsorgans oder was es da noch Nettes gibt einhandeln. Deshalb sage ich nicht, was ich wirklich denke. Sondern behaupte lediglich, daß dies ein vollendeter Beweis für die alte These ist, daß Politik heutzutage hauptsächlich aus deren Simulation besteht: So tun, als würde man etwas tun. Heiße Luft als Großtat ausgeben. Oder völligen Unsinn als Gewinn für das doofe Stimmvieh.

Und ich wundere mich nur. Wie und weshalb Nichtraucher bislang geschädigt wurden, lebensgefährlich in ihrer Gesundheit bedroht, durch Zigarettenreklame in der Zeitung. Genügt also doch schon der Anblick eines Glimmstengels, um Lungenkrebs oder Gefäßverengung auszulösen? Haben eine gewisse Beauftragte und die anderen einschlägigen Hysteriker, pardon: Kreuzzügler, pardon: Nichtraucherschützer, schon die entsprechenden Gutachten bestellt? Und warum ist die Gefahr geringer, wenn ich nun zwar keine Tabakwaren bzw. Werbung für sie mehr in Zeitungen, Zeitschriften, dem Internet sehen kann, dafür aber weiterhin auf der Straße? Vermutlich sogar verstärkt. Denn die Werbeetats der Tabakindustrie werden kaum schrumpfen. Sie werden wahrscheinlich nur anders verteilt. Bei den Vermietern öffentlicher Reklameflächen dürften die Korken knallen. Plakatwerbung bleibt ja weiterhin erlaubt. Wie intelligent sind folglich nicht nur Minister, sondern auch Journalisten, die über diesen “wesentlichen Baustein hin zu einem besseren Nichtraucherschutz” doch sicher jubeln werden bzw. seit längerem jubeln? Erwarten sie allen Ernstes, daß die Anzeigen für Tabakwaren, welche nun auf staatliche Weisung hin wegfallen, ersetzt werden durch solche für Müsli, Möhren, Zimtlatschen? Oder für griesgrämige, gern übergewichtige Lungenretter(innen)? Wissen die Journalistenimitatoren nicht, wodurch ihre Gehälter und Honorare ganz wesentlich finanziert werden?

Denken Menschen, die im Paralleluniversum der Politiker und der Medien leben, auch mal nach? Im Rahmen ihrer (mutmaßlich bescheidenen) Möglichkeiten? Wenigstens gelegentlich?

Von wahrer Relevanz

Mittwoch, 13. Dezember 2006

Unter den Fernsehhauptnachrichten gestern nur jene von RTL 2 erträglich. Keine Hofberichterstattung, nichts über das übliche Politikergeseire, welches nachgeplappert werden muß ? zumindest deshalb, weil sich dann auch die Nachplapperer so schön wichtig fühlen können. Bei RTL 2: Erstmal Mario M. Dann der Bohlen-Überfall. Keine Strahlenopfer in Hamburg. Kurz: Olmert war in Deutschland und hat sich verplappert, bei ihm daheim wurde er dafür ausgeschimpft. Mehr nicht, denn mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen, als diese Fünfzehn-Sekunden-Meldung. Dann: Neuer Ripper in Großbritannien? Prostituierte haben Angst, zur Arbeit zu gehen. Vierjähriger im Land der unbegrenzten Dämlichkeiten als Sexualstraftäter gemaßregelt (wenn er auch noch geraucht hätte, hätten sie ihn sicher von Staats wegen ermordet). Nicole Ritchie verhaftet (wozu im Land der… ja nicht viel gehört ? vielleicht wollte sie nicht ordnungsgemäß Weihnachten feiern). Und so weiter. Wie gesagt: Verglichen mit Pro 7 oder gar dem Staatsfernsehen eine Sendung mit bemerkenswert hohem Informationsgehalt.

Da zahlt man gern Gebühren

Mittwoch, 6. Dezember 2006

?Für ihren Einsatz bei der Eingliederung schwerbehinderter Menschen ist das Briefzentrum der Post in Schönefeld (…) ausgezeichnet worden.?

Dieses Beispiel aus der ?Abendschau? vom 4.12.06, für das sich in fast jeder Sendung weitere finden lassen, zeigt: Auch der RBB gliedert vorbildlich ein. Offenkundig insbesondere Menschen, die deutliche Schwierigkeiten mit der Sprache, allen voran ihrer Grammatik haben, was natürlich keinerlei Hinderungsgrund dafür darstellt (darstellen darf!), daß sie als Journalisten arbeiten.

In dem Top-Infomagazin ?Monolux?, auch von und auf dem RBB, konnte man übrigens ebenfalls am Montag erfahren: ?Noch vor dreißig Jahren war Homosexualität gesetzlich verboten.? In der Bundesrepublik. ? Ja, die staatliche Schwulenjagd unter Kanzler Brandt ist ja berühmt-berüchtigt. Dann kam endlich Kohl, und alles wurde gut.

Paralleluniversum (2)

Samstag, 2. Dezember 2006

Am gleichen Tag, an dem neue Rauchverbote verkündet werden, erfährt der zunehmend entmündigte Insasse der Bundesrepublik – natürlich nur ganz am Rande, bestenfalls in den Kurzmeldungen versteckt -, daß man sich in Brüssel auf die neue EU-Chemikalienverordnung geeinigt habe. Ihr zufolge dürfen auch krebserregende Substanzen auf dem Markt bleiben, “wenn es sich um ein beherrschbares Risiko handelt”. Auch wenn es sicherere Alternativen zu den krebserregenden Substanzen gibt.

Schön, daß sich unsere Politiker um die Dinge kümmern, die wirklich wichtig sind. Und schön, daß unsere unbestechlichen, absolut objektiven Medien über die Dinge berichten, die wirklich wichtig sind.

Intellektuellenimitatoren

Samstag, 2. Dezember 2006

Ab Januar möchte die FAZ mal wieder ihre Rechtschreibung ändern. Seit der (sounsovielten) Reform der Reform sei die ursprüngliche Reform ja viel besser geworden. Aber in manchen Fällen möchte man der Reform der Reform der Reform der Reform doch nicht folgen, sondern lieber bei der traditionellen Rechtschreibung bleiben.

Ja. Was sich heute “Rechtschreibung” nennt, das ist ungefähr sowas wie die “Wahlen” in der SED-Diktatur. “Wahlen” bedeutet eigentlich, daß man mindestens zwei Möglichkeiten hat. “Rechtschreibung” bedeutet eigentlich, daß es eine Schreibweise gibt, auf die sich alle geeinigt haben. Sogar die Hersteller auflagenstarker Wörterbücher. Aber gerade beim Hause Duden ist man natürlich ganz begeistert davon, daß man den Leuten jetzt alle zwei Jahre einreden kann, sie bräuchten eine neue Ausgabe, weil die Reform der Nachbesserung der korrigierten Reform ja schon wieder reformiert worden ist (Schweizer Sonderregelungen nicht berücksichtigt).

Aktion saubere Leinwand

Samstag, 2. Dezember 2006

Eine gewisse Beauftragte will herausgefunden haben, daß in deutschen Filmen und Fernsehproduktionen mehr geraucht würde als andernorts. Gute fünfzehn Prozentpunkte mehr! Das könne gerade Kinder und Jugendliche zum Tabakkonsum verleiten und damit den Boden bereiten für ein Leben, welches von Not und Elend geprägt ist. Und mit dem Tod endet.

Bravo! Als nächstes sollte die Dame Steuergelder für eine Untersuchung über deutsche Krimis verwenden. Dabei könnte herauskommen, daß in einhundert Prozent aller deutschen Krimis Verbrechen gezeigt werden. Das könnte gerade Kinder und Jugendliche zu Straftaten verleiten.

Neues aus dem bizarren Paralleluniversum der Politiker (und gewisser Journalisten)

Samstag, 2. Dezember 2006

Ein Hurra auf die Anti-Tabak-Kreuzzügler! “Zigaretten gibt es jetzt nur noch für Erwachsene!” Eine brillante Idee. Etwas Schöneres hätte sich die Tabakindustrie überhaupt nicht wünschen können: Endgültig wird der Nikotingenuß zum Beleg dafür, daß man erwachsen ist. Sicher wird das seine Attraktivität für Jugendliche stark einschränken. Ganz, ganz stark. Und kein Jugendlicher wird fortan mehr an Zigaretten herankommen. Jetzt sollte man noch den Alkohol verbieten. Und Videospiele. Und Partydrogen. Und das Kiffen.