Archiv für die Kategorie „Blüten am Wegesrand“

Blüten am Wegesrand (34)

Dienstag, 18. Oktober 2016

Als der U-Bahnhof Blaschkoallee 1963 eröffnet wurde, waren seine Hintergleiswände bis auf die Sockelzone mit weißen Keramikriemchen gefliest. Dennoch prangte der Stationsname, wie es damals bei Neubauten der West-Berliner U-Bahn Usus war, nicht direkt auf dieser Wandverkleidung, sondern auf cremefarbenen Schildern. Andernfalls hätten auch die Fugen zwischen den Riemchen die Lesbarkeit beeinträchtigen können, und darauf, diese sicherzustellen, legte man damals viel Wert.

Bei der jüngsten Neugestaltung der Station demonstrierte die BVG (wieder einmal), daß sie solch funktionalistisches Denken mittlerweile glücklich hinter sich gelassen hat.

Die BVG liebt Sie: Hier ermöglicht sie Ihnen, Ihre Sehkraft zu testen.

Blüten am Wegesrand (33)

Mittwoch, 15. Juni 2016

Mitte der sechziger Jahre wurde der U-Bahnhof Mehringdamm vom Abzweig- zum Kreuzungsbahnhof umgebaut, wobei man seine Bahnsteighallen erweiterte und der gesamten Anlage eines neues architektonisches Gesicht gab.

In den letzten Jahren ist dieses in den Bahnsteighallen vollständig getilgt worden. In den Zwischengeschossen kann man (noch) etwas davon sehen. So auch, wie in der südlichen Eingangshalle aus den damals in der gesamten Station verwendeten Keramikriemchen ein Wandfries gebildet wurde ? dem damaligen Zeitgeist gemäß natürlich ein abstraktes. Für die Wandgestaltung soll sogar ein Wettbewerb ausgeschrieben worden sein.

Ebenfalls kann man sehen, was der BVG heute zum Umgang mit solch ästhetischen Bestrebungen einfällt:

Hier stehen Vergangenheit und Gegenwart ...

... direkt aufeinander.

Blüten am Wegesrand (32)

Montag, 16. Mai 2016

Die Architektur der sechziger Jahre war geprägt vom Rationalismus, von größter Sachlichkeit und daraus folgend einer Dominanz gerader Linien und rechter Winkel.

Seit Jahren arbeitet die BVG intensiv daran, diese Gestaltungsepoche bei den Berliner U-Bahnhöfen auszulöschen, was dem Unternehmen auch deshalb keine Probleme bereitet, weil noch immer nur eine einzige nach 1961 eröffnete Station unter Denkmalschutz steht (und diese auch nur deshalb, weil sie zugleich als ?Zivilschutzraum? ? vulgo Bunker ? errichtet wurde).

Behindert wird die Bauabteilung des öffentlichen Verkehrsbetriebs in diesem Bemühen jedoch durch die von ihr ebenso eifrig betriebene Ausmerzung der Siebziger-Jahre-Architektur.

Einstweilen greift man, quasi als Soforthilfe, gern zur in ebenjenen Siebzigern so überaus beliebten Phototapete, welche zwar gemeinhin seit langem als Inbegriff schlechten Geschmacks gilt, bei der BVG aber unerschütterliche Freunde zu haben scheint.

Besonders beeindruckende Beispiele (zudem womöglich selbstklebender Art) finden sich auf dem vor gut fünfzig Jahren, am 28. Februar 1966, eröffneten U-Bahnhof Westphalweg:

Ein Traum in Dschungelrot oder -

Ein bißchen Kitsch in meiner engen kleinen Welt.

Blüten am Wegesrand (31)

Freitag, 11. März 2016

Die BVG läßt stets größte Aufmerksamkeit walten, wenn es darum geht, ihren Kunden die Nutzung von Bussen und Bahnen noch angenehmer zu gestalten.

So muß die Einrichtung zusätzlicher Pinkelecken zwar die Ausnahme bleiben. Aber ist es nicht bereits ein immenser Gewinn, wenn man Menschen, die sich erleichtern möchten (und im Zeichen der Gleichberechtigung sind dies längst nicht mehr nur Männer, schon gar nicht in Berlin), die Gewähr bietet, daß sie dies tun können, ohne von rücksichtslosen Passanten dabei angerempelt zu werden?

Im Hochbahnhof Möckernbrücke trug die BVG dafür Sorge, indem sie einen jener aus einem simplen Metallrohr bestehenden Handläufe, welche sie so schön zu finden scheint, daß sie sie am liebsten überall anbringen würde, in sinnfälliger Weise verlängerte.

Begrüßenswerter Nebeneffekt: Anderssichtige Mitbürger_Innen*#(=)!$% (jederzeit frei wählbaren Geschlechts) werden davor bewahrt, nichtsahnend in die Pisse zu latschen.

Hier kann man gut geschützt urinieren

Blüten am Wegesrand (30)

Sonntag, 14. Februar 2016

Daß der U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park im Hinblick auf einen starken Fahrgastandrang errichtet wurde, erkennt man auch an einem Detail: Am unteren Ende der Treppenhäuser am Reichpietschufer ? also quasi im Haupteingang ? richteten die Architekten neben der üblichen noch jeweils eine zweite Pinkelecke ein:

Links auch rechts, ...

... rechts auch links: Das ist aufmerksame Architektur!

Blüten am Wegesrand (29)

Montag, 21. Dezember 2015

Heute vor 85 Jahren wurde der Berliner U-Bahnhof Grenzallee eröffnet, eines der letzten Werke des bedeutendsten Berliner U-Bahn-Architekten Alfred Grenander, ausgekleidet mit Fliesen, von denen keine der anderen gleicht, ?jede eine Pretiose? ist, wie der Architekturhistoriker Julius Posener bemerkte. Hier Aufnahmen vom April 2013:

Vor Beginn der "originalgetreuen Sanierung": ...

... die originale Fliesenverkleidung

Seit geraumer Zeit steht die Station daher unter Denkmalschutz. Und deshalb sieht ihre Bahnsteighalle zum 85. ?Geburtstag? so aus:

Hier sehen Sie einen fachgerechten Umgang ...

... mit historischen Fliesenverkleidungen

Was nur überraschen kann, wer das Wirken der Berliner Denkmalpflege bei der Berliner U-Bahn nicht kennt. (Nein, der Natursteinbelag auf dem Bahnsteig ist natürlich weder original noch originalgetreu, sondern der ursprünglich dort vorhandene, zu Grenanders Gestaltungskonzept gehörende dunkle Asphaltbelang wurde erst in jüngerer Zeit beseitigt.)

Zeitgenössischer Kommentar

Blüten am Wegesrand (28)

Donnerstag, 19. November 2015

Dem U-Bahnhof Kaiserin-Augusta-Straße wird seit mehreren Jahren eine komplette Neugestaltung zuteil: Keine Fliese blieb dabei erhalten, die erste der bei der BVG momentan so beliebten Phototapeten hängt seit längerem, die Eingänge zieren nun Portale, die zu bauen Mitte der sechziger Jahre ? als die Station entstand ? niemandem auch nur im Traum eingefallen wäre.

Zur aktuellen Mode der U-Bahnhofs-Verkleidung in Berlin zählen auch große Platten ? seien es Fliesen oder Bleche. An der Kaiserin-Augusta-Straße ist bereits zu bewundern, welch schöne Effekte man damit erzielen kann, die eine durchdachte Gestaltung bezeugen, ein gepflegtes Ambiente schaffen und so die Attraktivität des Raumes steigern. Etwa die Betonung von Fugen:

Ein schicker Akzent von oben bis unten

Vorzüglich lassen sich so auch Abfalleimer in Szene setzen:

Neben dem schmucken Abfalleimer ...

... oder um ihn herum

Blüten am Wegesrand (27)

Montag, 19. Oktober 2015

Stations- und Zielschilder sowie andere Hinweise sollten gut lesbar sein. Manche verfallen dabei auf die Idee, helle Schrift auf einen dunklen Hintergrund zu setzen. Bei der BVG weiß man es besser. Wie sehr, kann man insbesondere in der Bahnsteighalle des U-Bahnhofs Mehringdamm bewundern, die in den letzten Jahren vollständig neu verkleidet wurde:

Wer auf einen guten Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund achtet, ...

... erhöht deutlich ...

... die Lesbarkeit.

Blüten am Wegesrand (26)

Sonntag, 16. August 2015

Auf diesem Bild befindet sich Denkmalpflege. Versuchen Sie sie zu finden.

Denkmalpflege am Südkreuz

Blüten am Wegesrand (25)

Freitag, 17. Juli 2015

Es irrt, wer glaubt, die aktuelle Mode in der Gestaltung und vor allem Dekoration unterirdischer Berliner Bahnsteighallen erschöpfe sich in Phototapeten oder der anderweitigen, meist ebenfalls der Heimatkunde dienenden, Reproduktion historischer Ansichten.

Sehr beliebt ist auch ? noch immer oder schon wieder ? die neckische Verzierung mit Bildern, die auf denkbar plumpeste Weise auf den Namensgeber einer Station Bezug nehmen.

So wurde auf dem U-Bahnhof Rehberge das ? Jahrzehnte nach dessen Inbetriebnahme errichtete ? Aufsichtsgebäude vorletztes Jahr mit Bildchen von Blümchen, Bäumchen und Rehchen dekoriert.

Bambiberge?

Dies ist insofern nur konsequent, als die Bahnsteighalle durch ihre vollständige Neuverkleidung von einem Zeugnis der fünfziger Jahre zu einer Karikatur dessen verwandelt wurde. Ein Glück bloß, daß die Berliner Denkmalpflege nicht auf die Idee verfallen war, diese Station – einer der drei ersten, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet und damit stilbildend wurden – unter Schutz zu stellen!

Blüten am Wegesrand (24)

Donnerstag, 18. Juni 2015

Bei der BVG ist man seit einigen Jahren der Meinung, möglichst jeder U-Bahnhof müßte einen Beitrag zur Heimatkunde leisten.

In diesem Bestreben möchte nun auch die Deutsche Bahn AG nicht zurückstehen und hat einige Werbeflächen des S-Bahnhofs Potsdamer Platz mit Photographien aus der Zeit zwischen den Weltkriegen versehen.

So erfährt man dort etwa, daß auf dem Potsdamer Bahnhof Vorortzüge in der Haupthalle verkehrten, nicht nur auf den beiden Flügelstationen Potsdamer Wannseebahnhof und Potsdamer Ringbahnhof:

Vier Gleise auch für Vorortzüge

Und hier sieht man, der Bildlegende zufolge, Reisezüge:

Wie Se sehen, sehen Se ...

Blüten am Wegesrand (23)

Samstag, 16. Mai 2015

Mit etwas Geschick wären auch drei vertikale Fugen möglich gewesen!

Warum einen Schriftzug nur zweimal vertikal durchschneiden, wenn man dies auch noch der Länge nach tun kann? Die Lesbarkeit erhöht dies ungemein!

Blüten am Wegesrand (22): Grün und blau schmückt den Bau!

Donnerstag, 16. April 2015

Ui, ist das spannend!

Auf eine ästhetisch ansprechende Gestaltung der Berliner U-Bahnhöfe legt die BVG bekanntlich großen Wert. Bei Renovierungen oder Umbauten macht es sich der Verkehrsbetrieb daher nicht leicht, wie man seit geraumer Zeit auch auf der Station Schloßstraße sehen kann: Welcher Anstrich des Sichtbetons wird wohl heller und freundlicher wirken ? der hellere oder der dunklere? Welche Schrift ist besser lesbar ? die ursprüngliche, mit dicken, reliefartig hervortretenden Buchstaben oder die neue mit dünnen, flachen Lettern?

Auf die Ergebnisse der aufwendigen Untersuchungen sind wir unbändig gespannt.

Blüten am Wegesrand (21)

Dienstag, 17. Februar 2015

Der heutige Zeitgeist hält es für unerläßlich, jede unterirdische Bahnsteighalle individuell zu gestalten.

Vor hundert Jahren war man genau entgegengesetzter Ansicht: Etwas dermaßen Modernes wie eine U-Bahn-Station, so die damals vorherrschende Meinung, sollte auch seriell, quasi wie am Fließband gestaltet werden. Für individuelle Schnörkel habe man in einer auf Fortschritt und Geschwindigkeit ausgerichteten Epoche keine Zeit mehr.

Berlins bedeutendster U-Bahn-Architekt Alfred Grenander griff dies auf, als er die Bahnsteighallen der 1907 und 1908 eröffneten Stationen des Abschnitts Potsdamer Platz-Spittelmarkt einheitlich gestaltete, voneinander unterschieden nur durch eine Kennfarbe. In dieser waren nicht nur die stählernen Stützen in der Mittelachse der Halle gestrichen, sie zeigte auch ein Streifen, der in Höhe der Stationsschilder auf voller Länge über die Hintergleisflächen lief, sich um die Schilder herum aber rautenförmig erweiterte. Nicht zuletzt wurden außerdem die Reklameflächen an den Wänden von Fliesen in der jeweiligen Kennfarbe umrahmt.

Überhaupt die Fliesen: helle kleine Keramikplatten, die auf allen Stationen den größten Teil der Wandflächen bedeckten, kostengünstig und sachlich, abwaschbar und damit pflegeleicht. Grenander hatte damit schon die allerersten Tunnelstationen des Berliner U-Bahn-Netzes ausgekleidet. Für Farbe, so ein Gedanke, würden zur Genüge die Reklameplakate sorgen, welche im schnellen Rhythmus der Großstadt wechseln und so quasi auch bewirken würden, daß die Bahnsteighalle immer wieder umdekoriert wird.

Für den noch recht schnörkelseligen, zugleich einer ?gediegenen? Gestaltung auch des öffentlichen Raums großen Wert beimessenden Zeitgeist des frühen zwanzigsten Jahrhunderts waren diese Stationen fast schon eine Zumutung. Allen voran die serienmäßig gestalteten U-Bahnhöfe zählten zu dem modernsten, was Berlin damals architektonisch zu bieten hatte.

Bei dem anschließenden, 1913 eröffneten Abschnitt zur Schönhauser Allee ließ Grenander dann sogar noch den Streifen auf den Längswänden weg und ersetzte die rautenförmige Umrahmung der Stationsschilder durch eine rechteckige.

Von den ersten ?Serienbahnhöfen? besitzt nur der heutige U-Bahnhof Potsdamer Platz noch seine originale Wandverkleidung. Mit viel Aufwand und Mühe wurde (nicht nur) diese Gestaltung vor einigen Jahren auf der Station Spittelmarkt rekonstruiert. Man beschaffte den Originalen recht ähnliche Fliesen, ließ die längst verschwundenen Stationsschilder nachbasteln ? und den auf voller Bahnsteiglänge über die Hintergleisflächen laufenden Farbstreifen einfach weg, reduzierte die Zahl der Stationsschilder und Reklameflächen und installierte dort, wo bunte Plakate prangen sollten, alte Schwarzweißphotos.

Also eine Gestaltung ?getreu dem historischen Vorbild?, wie so etwas dann in der Regel heißt.

Original ...

... und Imitation

Blüten am Wegesrand (20)

Freitag, 16. Januar 2015

Portale kann man nie genug haben
Das gab’s noch nie: Drei der vier Portale am Rosenthaler Platz

Schon die Eingänge zu den allerersten, 1902 eröffneten Berliner Untergrundbahnhöfen wurden mit Portalen ausgestattet: Beiderseits der Treppen in die Tiefe errichtete man Stützen, die ein Transparent hielten und zuweilen auch Laternen.

Bald traten Leuchtkästen an die Stelle simpler Schilder, die Stützen gingen auf in Bögen, und dem Zeitgeist entsprechend wurde die Gestaltung immer sachlicher.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich war zwar auch die BVG geteilt, sich aber beide Verkehrbetriebe in einem Punkte einig: Portale paßten nicht mehr in die Zeit. Bei Neubauten stellte man neben die Treppenansätze simple Masten, auf denen ein kleiner Leuchtkasten mit einem ?U? thronte ? oder sogar nur ein einzelner Leuchtbuchstabe. Vielerorts, wo Portale den Zweiten Weltkrieg überstanden hatten, sägte man sie im Laufe der folgenden Dekaden ab ? bis in die achtziger Jahre hinein.

Dann flammte die Liebe zu dieser traditionellen Gestaltung wieder auf, und zwar wiederum in Ost wie West. Seither werden nicht nur verschwundene Portale ? mehr oder auch weniger dem historischen Vorbild entsprechend ? nachgebastelt. Die BVG geht in ihrer Begeisterung fürs Geschichtliche sogar so weit, daß sie (natürlich irgendwie historisch aussehende) Portale aufstellt, wo nie welche standen. Etwa am Rosenthaler Platz, wo man Ende der zwanziger Jahre auf eine solche Gestaltung verzichtet hatte, weil man diese Kreuzung (und mehr ist dieser Platz ja eigentlich nicht) nicht mit solchen besseren Straßenmöbeln vollbauen wollte.

Doch wen scheren derlei Tatsachen, wenn er von der Portalitis befallen ist?

Selbstverständlich steht dieser U-Bahnhof unter Denkmalschutz.